Die Welt der Meeresalgen
Prof. Wolfram Braune aus Jena hat in dem vorliegenden Buch den Versuch unternommen, dem interessierten Meeresbiologen, Studenten oder marin-biologisch interessiertem Naturfreund eine umfassende Übersicht über die gängigen Meeresalgen der Welt zu liefern, ohne spezialisierte anatomisch-mikroskopische Untersuchungen vornehmen oder im Besitz der vielfältigen Spezialliteratur sein zu müssen. Dieser Anspruch des Autors wird im Großen und Ganzen erfüllt und nur hier und da muss der Leser mit kleinen Ungenauigkeiten vorlieb nehmen, da die Bestimmung mancher schwieriger Taxa (z.B. Porphyra, Polysiphonia oder Ulva) eben doch nicht ohne detaillierte Untersuchung auskommt. Dieses Umstandes ist sich der Autor aber bewusst, wie er in den Vorbemerkungen beschreibt. Es lässt sich aber nicht ein weltweiter Überblick und Detailtreue in einem Buch vereinen, so dass hier Nachsicht zu üben ist.
Verständliche Einleitung
Das Buch beginnt mit einer ca. 20seitigen Einführung in der der Begriff ‚Meeresalgen’ an sich erläutert wird und Grundinformationen über deren Bau- und Fortpflanzung sowie Fundorte und Verbreitung zusammenfassend kurz dargestellt sind. Hierbei wird bewusst versucht, Fachbegriffe auf ein Mindestmaß zu reduzieren und Zusammenhänge mit deutschen Worten zu erklären, so dass der biologisch vorgebildete Naturfreund oder Student den Text leicht verstehen kann. Sehr schön und ausführlich ist ein kleines Kapitel zum Sammeln und Präparieren der Meeresalgen, in dem die Anfertigung und fachgerechte Beschriftung von Herbarblättern an Hand eindeutiger Abbildungen und klarem Text beschrieben wird. Es folgen kurze Zusammenfassungen zur ökologischen und ökonomischen Bedeutung von Meeresalgen und deren ästhetisch-kultureller Aspekte.
525 Grün-, Braun- und Rotalgen in Bild und Text
Nach dieser Einführung folgen 531 Seiten mit Abbildungen und Beschreibungen der Arten, gegliedert nach den drei großen Klassen Grünalgen, Braunalgen und Rotalgen. Auf der linken Buchseite stehen jeweils der lateinische Artname plus Autorenbezeichnung mit kurzen morphologischen Beschreibungen, die auf das Wesentliche reduziert sind und ohne optische Hilfsmittel erkannt werden, sowie kurzen Bemerkungen zu Wuchsort und Vorkommen der Arten, die auf der rechten Seite abgebildet sind. Die Qualität der fotografischen Abbildungen ist in den allermeisten Fällen sehr gut, hin und wieder fehlen Detailaufnahmen oder Habitataufnahmen, die die Bestimmung und Zuordnung zu spezifischen Standorten erleichtern würden. Insgesamt sind so 525 Arten der insgesamt ca. 10000 bekannten Meeresgroßalgen beschrieben. Der Leser mag sich fragen, wie er bei dieser Diskrepanz einen wirklichen Überblick bekommen soll? Bei der Durchsicht des Buches wird aber deutlich, dass insgesamt 266 der insgesamt 800 Gattungen hier genannt sind und vor allem die meisten der wichtigen, auffälligen Gattungen Erwähnung finden und deshalb zumindest eine Zuordnung von Fundmaterial in Gattungen erlauben wird. Da es bei den Meersgroßalgen auch viele recht kleine Formen gibt, die dem Sammler an Strand und Küste nicht in Erscheinung treten werden, da es sich um kleine, wenige Millimeter große Epiphyten, Endophyten, Krustenformen oder ähnliches handelt, wird dieses Buch wirklich weltweit einsetzbar sein.
Nutzung
Die Struktur des Buches folgt nach der Gliederung in die großen Klassen, die am Buchrande zum leichteren Auffinden farbig grün, braun und rot markiert sind, der üblichen systematischen Anordung der höheren Taxa bis zur Familie. Danach erfolgt die Abfolge der Gattungen leider alphabetisch. Diese Aufteilung macht die Handhabung des Buches etwas schwierig, was allerdings als einziger Nachteil anzusehen ist. Da dem Leser teilweise der Gattungsname noch vertraut sein mag, aber nicht die zugeordnete Familie, kann er zwar über den Index alphabetisch nach der Gattung suchen, aber ein leichter Vergleich ähnlicher Arten/Gattungen ist nicht möglich. Der Autor ist sich dieses Dilemmas bewusst; Kreuz-Hinweise zu Arten mit denen Taxa leicht verwechselt werden könnten, werden manchmal gegeben. So bleibt dem Nutzer vor allem die altbekannte Methode, die gesamte Klasse auf Ähnlichkeiten mit dem Fundobjekt durchzuschauen. Leider gibt es auch keinerlei geographische Sortierung, so dass ein floristischer Überblick über einzelne Verbreitungszonen nicht einfach möglich ist.
Systematik, Glossar, Literatur
Im Anhang folgt eine systematische Zuordnung der Gattungen auf Grundlage momentan aktueller Erkenntnisse, gefolgt von einem Glossar mit der Erläuterung von Fachausdrücken und schließlich noch eine Übersicht zu weiterführender Literatur ausgewählter Verbreitungsgebiete, die viele wichtige Bestimmungsbücher und Feldschlüssel auflistet.
Fazit
Rundherum ist das Buch ein gelungener Versuch, die Vielfalt der Meeresalgen dem reisenden Naturfreund, Studenten und auch Fachmann darzulegen und einen guten Überblick zu gewähren. Da es in deutscher Sprache verfasst ist, wird es allerdings nur einem beschränkten Kreis von Nutzern zugänglich sein. Eine englische Übersetzung würde sich zu gegebener Zeit sicherlich lohnen.
Corrigendum
Bild-Nr. 106.3 rechts: hier handelt es sich nicht um Porphyra umbilicalis, sondern eher um ‚Porphyra leucosticta’ (weiß gepunktet). Die weiß fleckigen männlichen Reproduktionsorgane sind deutlich sichtbar und damit eindeutig nicht zu P. umbilicalis gehörend, die einhäusig ist und einen hell-oliven männlichen Rand ausbildet, wie zB in 106.3 oben abgebildet. Die ‚umbilicate’ Form alleine führt nicht zwingend zu der Art P. umbilicalis.
Bild Nr. 8.2: hier handelt es sich sicherlich nicht um Chaetomorpha melagonium, da die Art durch einzelne, etwas steife Fäden gekennzeichnet ist, deren Zellen so groß sind, dass sie mit bloßen Auge erkennbar sind.
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Vorgestellt von
Dr. Inka Bartsch, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven
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